Gemeinsam wachsen: Workshops für Selbsthilfegruppen 2025

Gemeinsam wachsen: Workshops für Selbsthilfegruppen 2025

Gemeinsam wachsen: Veränderungsprozesse, Moderation und Gestaltung sowie sinnerfülltes Arbeiten in Selbsthilfegruppen, mehr Achtsamkeit und sogar das bewusste „produktive Nichtstun“ waren die Schwerpunkte unserer Workshops von März bis Juni für Gruppensprecher:innen und Engagierte in Selbsthilfegruppen.

Selbstorganisation und Selbstbetroffenheit sind wesentliche Merkmale von Selbsthilfegruppen. Mit großem Interesse setzten sich die Teilnehmer:innen mit den unterschiedlichen Fragestellungen und vielseitigen Aspekten auseinander. Durch praktische Übungen, kreative Methoden und neue Denkanstöße erhielten sie wertvolle Impulse, die sowohl die persönliche Weiterentwicklung als auch für die Arbeit in ihren Gruppen hilfreich sind.

Viele erlebten die Workshops als inspirierenden Raum für Austausch, Reflexion und neue Perspektiven. Die gewonnenen Erfahrungen konnten die Gruppensprecher:innen direkt mit nach Hause nehmen und in ihre Selbsthilfegruppen einbringen. In den Gesprächen und im schriftlichen Feedback wurde einhellig betont, wie bereichernd und praxisnah die Inhalte erlebt wurden und wie sehr sie die Arbeit in den Gruppen stärken.

Selbsthilfegruppen verändern sich: Veränderungs- und Entwicklungsprozesse gemeinsam gehen

Unter diesem Titel trafen sich am 5. März und 2. Juni 2025 in Linz Teilnehmer:innen aus sechs unterschiedlichen Selbsthilfegruppen und -vereinen Oberösterreichs. In einem Tages- und einem Halbtagesworkshop setzten sich neun Engagierte intensiv mit den Chancen und Herausforderungen von Veränderungs- und Entwicklungsprozessen in der Selbsthilfe auseinander.

Ziel der Seminare war es, Selbsthilfegruppen bei anstehenden Veränderungen zu unterstützen und sie in ihren Entwicklungswegen zu begleiten. Dabei dienten sowohl die eigene Gruppe als auch die anderen anwesenden Gruppen als konkreter Erfahrungs- und Entwicklungsraum. Besonders im Vordergrund stand der kollegiale Austausch, durch den unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen sichtbar wurden.

Diskutiert wurden vielfältige Themen, unter anderem:

  • Gestaltung von Gruppenveränderungen und neues „Weitertun“
  • Übergabe, Übernahme oder Fusion von Gruppen
  • Organisation und Formalisierung, etwa Vereinsgründung
  • Loslassen und Aufhören
  • Zusammenarbeit und Kooperation von Ehrenamtlichen

Trotz der Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen – sei es durch ihr Thema oder ihre jeweilige Entwicklungsgeschichte – zeigte sich eine wesentliche Gemeinsamkeit: Selbsthilfegruppen achten nicht nur auf die Dynamik und das Wohl ihrer eigenen Gruppe, sondern verfolgen auch gesellschaftliche Ziele, die weit über den unmittelbaren Rahmen hinausreichen. Die Seminare boten den Teilnehmer:innen wertvolle Impulse, um Veränderungsprozesse bewusst zu gestalten, Herausforderungen gemeinsam zu meistern und die Entwicklung ihrer Gruppen aktiv zu begleiten.

Workshop Veränderungsprozesse in Selbsthilfegruppen neu gestalten
Workshop für Selbsthilfegruppen Veränderungsprozesse
Workshop am 05.03. und 02.06.2025 mit Mag. (FH) Klaus Wögerer

Mehr Leichtigkeit durch Achtsamkeit und Balance im Alltag

Wie gelingt es, im stressigen Alltag die richtige Balance zu finden und mehr Leichtigkeit zu spüren? Mit dieser Frage startete unser Workshop – ein Tag voller praktischer Impulse, Achtsamkeit und Selbstreflexion. Der Einstieg erfolgte über ein Achtsamkeitstraining nach MBSR (achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung). Die Teilnehmenden erhielten zunächst eine Einführung in die Theorie der Achtsamkeit, etwa zu den acht Prinzipien und deren Bedeutung für den Alltag. Anschließend konnten sie verschiedene Übungen direkt ausprobieren: Body-Scan, Atemmeditation, Atemraum-Übung sowie Meditation im Gehen. Begleitend standen Handouts zur Selbstreflexion bereit, etwa zu angenehmen und unangenehmen Alltagserlebnissen, Stressauslösern, problematischen Kommunikationssituationen oder herausfordernden Beziehungen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Schulung der Wahrnehmung. Nach einer kurzen theoretischen Einführung folgte die praktische „Vielfaltsübung“ aus dem Genusstraining. Ziel war es, die Sinne zu sensibilisieren und bewusst zu erleben, wie viel Potenzial in einer geschulten Wahrnehmung steckt.

Zum Abschluss widmete sich die Fortbildung dem Thema „produktives Nichtstun“. Die Teilnehmenden reflektierten, wie es sich anfühlt, bewusst einmal nichts zu leisten oder zu produzieren – und dadurch wertvolle Zeit für sich selbst zu gewinnen. Gerade für Gruppenleiter:innen ist es entscheidend, regelmäßig für Ausgleich zu sorgen, um genügend Energie für ihre Tätigkeit mitbringen zu können.

Der Tag überzeugte durch eine ausgewogene Mischung aus Theorie, praktischen Übungen und Selbstreflexion. Die Teilnehmenden nahmen zahlreiche konkrete Methoden und Werkzeuge mit, die nicht nur die persönliche Balance stärken, sondern auch in ihren Gruppentreffen direkt angewendet werden können – für mehr Gelassenheit, Fokus und Leichtigkeit im Alltag.

Workshop Michaela Kraupa
Workshop am 25.03.2025 mit Michaela Kraupa

Zwischen Freiraum und Struktur: Gemeinsam wachsen – so gelingen Treffen von Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen leben von Austausch, Vertrauen und einer guten Portion Mut, Neues auszuprobieren. Genau darum ging es im Workshop am 9. April: Wie kann ein Treffen sowohl vertraut als auch inspirierend gestaltet werden? Und wie gelingt es der Moderation, den Rahmen für Offenheit und Beteiligung zu schaffen?

Die Teilnehmenden erlebten ein abwechslungsreiches Programm, das Theorie und Praxis geschickt miteinander verknüpfte. Kurze fachliche Inputs boten Orientierung, praktische Übungen und Gruppenarbeiten ermöglichten das direkte Ausprobieren von Methoden – alles in einem geschützten Rahmen. Dabei wurde nicht nur gezeigt, wie etwas geht, sondern auch reflektiert: Welche Vor- und Nachteile haben die Methoden, welche Variationen sind möglich, und wie lassen sie sich auf unterschiedliche Gruppensituationen anpassen?

Der Workshop setzte auf eine abwechslungsreiche Mischung an Methoden, um die Inhalte lebendig zu vermitteln. Fachlicher Input über PowerPoint und Flipchart bildete den theoretischen Rahmen, während die Teilnehmenden von Beginn an durch Erwartungen und Anregungen auf Moderationskarten eingebunden wurden. In wechselnden Kleingruppen konnten sie Erfahrungen austauschen und intensiv üben. Kreative Formate wie Speed-Dating oder World-Café brachten Bewegung in die Diskussionen, die durch Reflexion in Stillarbeit und gemeinsame Gespräche ergänzt wurden. Filme, satirische Impulse und Rollenspiele zu typischen Gruppensituationen eröffneten neue Perspektiven und praxisnahe Lösungsansätze. Im letzten Workshop-Block gab es zudem Raum zur individuellen Vertiefung, bevor ein offenes Plenum Fragen, Feedback und Austausch aller bündelte.

Für die Teilnehmenden wurde sichtbar: Selbsthilfegruppen brauchen sowohl klare Strukturen als auch Raum für Spontaneität. Wer beides beherrscht, fördert Vertrauen, Beteiligung und nachhaltigen Austausch. Die Teilnehmenden nahmen nicht nur zahlreiche konkrete Methoden für ihre eigene Gruppenarbeit mit, sondern auch ein vertieftes Verständnis dafür, wie Moderation den Unterschied macht – zwischen einem Treffen, das nur stattfindet, und einem, das inspiriert.

Workshop Struktur und Freiraum mit Gerhard Mayrhofer
Workshop Struktur und Freiraum mit Gerhard Mayrhofer-2

Workshop am 09.04.2025 mit Gerhard Mayrhofer,DSA

Sinnerfülltes Arbeiten in der Selbsthilfegruppe – Perspektivenwechsel und Kompetenzerweiterung

Am 14. Mai stand unter dem Titel „Warum trifft es gerade mich?“ der Leitgedanke im Mittelpunkt, die eigene Arbeit in der Selbsthilfegruppe bewusster und sinnerfüllter zu gestalten. Ziel war es, den Blickwinkel zu erweitern, den Umgang mit schwierigen Fragen oder Aussagen zu verbessern und die Kommunikations- sowie Antwortfähigkeiten für die Gruppenarbeit und den Alltag zu stärken. Im Mittelpunkt stand die Erweiterung von Kompetenzen durch sinnorientierte Haltungskorrekturen in der zwischenmenschlichen Interaktion.

Dabei ging es um den reflektierten Umgang mit Herausforderungen, auf die es selten einfache Antworten gibt, und um die Entwicklung tragfähiger Lösungswege. Behandelt wurden zentrale Aspekte der Logotherapie nach Viktor Frankl, die Reflexion persönlicher Sinnfragen und die drei Dimensionen des Menschen – Körper, Seele und Geist. Darüber hinaus standen Beweggründe des eigenen Handelns und das der Mitmenschen, Werte als Grundlage für Zufriedenheit sowie Fragen von Charakter, Persönlichkeit und Selbstschutz im Fokus. Verdeutlicht wurde, dass Veränderung stets möglich ist, auch wenn manche Rahmenbedingungen unveränderbar bleiben – die eigene Haltung jedoch immer wählbar ist. Ergänzend kam der logotherapeutische Gesprächsstil zum Einsatz, der auf Aufwertung, Klarheit, Alternativen und Sinnsuche setzt.

Die Fortbildung kombinierte theoretische Inputs mit praktischen Übungen, Plenums- und Kleingruppendiskussionen sowie Partnerarbeit. Realsituationen aus dem eigenen Alltag wurden reflektiert, Selbstreflexion gefördert und Raum für Feedback gegeben. Der ständige Praxisbezug machte es möglich, direkt erlernte Methoden und Ansätze für die eigene Arbeit in der Selbsthilfegruppe anzuwenden.

Die Teilnehmenden konnten so nicht nur neue Werkzeuge für den Umgang mit herausfordernden Situationen gewinnen, sondern auch ihren persönlichen Blick auf die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit erweitern – für mehr Gelassenheit, Klarheit und Selbstvertrauen im Alltag.

Workshop Sinnerfülltes Arbeiten in Selbsthilfegruppen mit Beatris Kastrun -2
Workshop Sinnerfülltes Arbeiten in Selbsthilfegruppen mit Beatrix Kastrun-3

Workshop am 14.05.2025 mit Mag.a Beatrix Kastrun

Unsere Trainer:innen

Mag. (FH)  Klaus Wögerer: Supervisor & Coach, Gruppendynamiker, Lehrtrainer für Supervision & Coaching, Führungskräfteentwickler, Teamentwickler, Klausur-Begleiter & Moderator, Organisationsberater, Personalentwickler & Berater für Personalmanagement; https://www.sozion.at/sozion-at/   

Michaela Kraupa: Fachtrainerin nach ISO/IEC 17024; Counselor grad. BVPPT Psychosoziale Beratung; Eingetragene Expertin für Beratung im Bereich Stressmanagement und Burnout-Prävention in den ExpertInnenpool des Fachverbandes Personenberatung und Personenbetreuung WKO; http://www.michaelakraupa.com

Gerhard Mayrhofer, DSA: Dipl. Sozialarbeiter, Männer-/Sucht-/Gewaltberater, Supervisor i.A., Seminarleiter Persönlichkeitsentwicklung; Leitung Gesprächsgruppen (Themen Männlichkeit, Väterrunde, Alkohol, Gewalt); https://www.gerhard-mayrhofer.at/

Mag.a Beatrix Kastrun: Kommunikation, Kooperation und Konfliktmanagement
Studium der Rechtswissenschaften an der JKU Linz, Linz, Dipl. Trainingslehrgang, Mediationslehrgang beim PGA, Linz, Reteaming-Coaching, NLP-Practitioner – NLP Impulse, Bonn, Systemische Organisationsberatung nach Heidelberger Schule, HSI-Institut Heidelberg, Systemische Therapie/Beratung und Familientherapie, HSI-Institut Heidelberg etc.; https://www.sozion.at/sozion-at/              

Was ist Selbsthilfe? https://www.selbsthilfe-ooe.at/selbsthilfegruppen/was_ist_selbsthilfe

Ein besonderer Dank gilt dem Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) für die finanzielle Unterstützung und unseren Trainer:innen für die fachlich fundierte und empathische Gestaltung der Workshops.

 

FOTOS: SHOOE

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